Alkohol am Steuer: Promillegrenzen und ihre Folgen
Ab 0,5 Promille droht ein Fahrverbot, ab 1,1 Promille eine Straftat. Welche Grenzen gelten, was passiert und wann eine MPU angeordnet wird.
Von Rechtsanwältin Katharina Fischer
Fachanwältin für Verkehrsrecht
- Veröffentlicht
- Aktualisiert
- Lesezeit
- 2 Min. Lesezeit

Inhaltsverzeichnis
Alkohol am Steuer ist nach wie vor eine der häufigsten Unfallursachen. Der Gesetzgeber reagiert mit einem abgestuften System aus Ordnungswidrigkeiten und Straftaten.
Die Promillegrenzen im Überblick
| Blutalkohol | Einordnung | Typische Folgen |
|---|---|---|
| 0,0 ‰ | Fahranfänger und unter 21-Jährige | Bußgeld, Punkt, Probezeitmaßnahmen |
| ab 0,3 ‰ mit Ausfallerscheinungen | relative Fahruntüchtigkeit — Straftat | Geld- oder Freiheitsstrafe, Entziehung |
| ab 0,5 ‰ | Ordnungswidrigkeit (§ 24a StVG) | 500 €, 1 Monat Fahrverbot, 2 Punkte |
| ab 1,1 ‰ | absolute Fahruntüchtigkeit (Kfz) — Straftat | Strafe, Entziehung, Sperrfrist |
| ab 1,6 ‰ | Hinweis auf Alkoholmissbrauch | MPU vor Neuerteilung |
Im Wiederholungsfall erhöhen sich die Regelsätze bei der 0,5-Promille-Grenze auf 1.000 bzw. 1.500 Euro und drei Monate Fahrverbot.
Ordnungswidrigkeit oder Straftat?
Zwischen 0,5 und 1,09 Promille liegt ohne Ausfallerscheinungen „nur“ eine Ordnungswidrigkeit vor. Kommen aber Ausfallerscheinungen hinzu — Schlangenlinien, verlangsamte Reaktion, ein Unfall —, kann schon ab 0,3 Promille eine Trunkenheitsfahrt nach § 316 StGB vorliegen. Ab 1,1 Promille gilt der Fahrer eines Kraftfahrzeugs unwiderleglich als fahruntüchtig.
Entziehung der Fahrerlaubnis
Bei einer Trunkenheitsfahrt entzieht das Strafgericht in der Regel die Fahrerlaubnis (§ 69 StGB) und verhängt eine Sperrfrist von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Der Führerschein wird häufig schon vorläufig beschlagnahmt. Hinzu kommen drei Punkte im Fahreignungsregister.
Die MPU
Bei einer Fahrt mit 1,6 Promille oder mehr oder bei wiederholten Alkoholverstößen ordnet die Fahrerlaubnisbehörde vor der Neuerteilung eine medizinisch-psychologische Untersuchung an (§ 13 FeV). Eine gründliche Vorbereitung — oft mit Abstinenznachweisen über mehrere Monate — ist entscheidend.
Wichtig: Machen Sie bei einer Kontrolle keine Angaben zur Trinkmenge. Sie sind nicht verpflichtet, sich selbst zu belasten. Lassen Sie sich frühzeitig von einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt für Verkehrsrecht beraten.
Versicherungsrechtliche Folgen
Bei einem Unfall unter Alkoholeinfluss kann die Kfz-Haftpflichtversicherung den Fahrer in Regress nehmen, in der Regel bis zu 5.000 Euro. Die Kaskoversicherung kann ihre Leistung je nach Grad des Verschuldens kürzen.
Häufige Fragen
Muss ich in einen Alkoholtest pusten?
Ein Atemalkoholtest ist freiwillig. Bei Verdacht kann aber eine Blutentnahme angeordnet werden, die Sie dulden müssen.
Gilt die Promillegrenze auch für Fahrradfahrer?
Für Radfahrer nimmt die Rechtsprechung absolute Fahruntüchtigkeit ab 1,6 Promille an. Darunter kann bei Ausfallerscheinungen ebenfalls eine Straftat vorliegen — und auch Radfahrern kann eine MPU drohen.
Rechtsgrundlagen & Quellen
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick über die Rechtslage (Stand: Oktober 2026) und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für eine verbindliche Einschätzung Ihrer Situation wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.
Über die Autorin
Rechtsanwältin Katharina Fischer
Fachanwältin für Verkehrsrecht Stuttgart
Verkehrs- und Bußgeldverfahren, Unfallregulierung, Versicherungsrecht.
Weiterlesen
Das könnte Sie auch interessieren

Checklisten & Muster · Verkehrsrecht
Nach dem Verkehrsunfall: Die 10-Punkte-Checkliste für Ihre Rechte
Was am Unfallort zu tun ist, welche Ansprüche Sie gegenüber der gegnerischen Versicherung haben und warum Sie den Gutachter selbst wählen sollten — Schritt für Schritt.
Rechtsanwältin Katharina Fischer· 24. Oktober 2026· 2 Min.

Gesetzesänderungen · Verkehrsrecht
Cannabis am Steuer: Der THC-Grenzwert und was er bedeutet
Seit August 2024 gilt im Straßenverkehr ein gesetzlicher THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml Blutserum. Was das für Konsumenten bedeutet und welche Sonderregeln gelten.
Frageanwalt Redaktion· 24. September 2026· 2 Min.

Leitfäden · Strafrecht
Vorladung von der Polizei als Beschuldigter: Ihre Rechte
Wer als Beschuldigter vorgeladen wird, muss bei der Polizei nicht erscheinen und darf schweigen. Warum Schweigen in aller Regel klug ist und wann Sie einen Verteidiger brauchen.
Frageanwalt Redaktion· 19. September 2026· 2 Min.
Fragen aus der Community zu Strafrecht
Ratgeber-Newsletter
Neue Urteile und Gesetzesänderungen — einmal im Monat.
Die wichtigsten Entwicklungen aus Rechtsprechung und Gesetzgebung, verständlich zusammengefasst von unserer Redaktion und verifizierten Fachanwälten. Kostenlos, ohne Werbung.