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Erbschein: Wann Sie ihn brauchen und wie Sie ihn beantragen

Der Erbschein weist nach, wer Erbe ist. Er ist aber nicht immer erforderlich — oft genügt ein notarielles Testament. Antrag, Kosten und Alternativen im Überblick.

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Rechtsstand: Oktober 2026Fachlich geprüft von Rechtsanwalt Dr. Michael Weber(Fachanwalt für Familienrecht)
Notarieller Stempel auf einem Dokument
Bild: Sara Er / Pexels
Inhaltsverzeichnis

Nach einem Todesfall müssen Erben gegenüber Banken, Versicherungen und dem Grundbuchamt nachweisen, dass sie berechtigt sind. Der klassische Nachweis ist der Erbschein — doch er ist nicht immer nötig.

Was ist ein Erbschein?

Der Erbschein ist ein Zeugnis des Nachlassgerichts darüber, wer Erbe geworden ist und zu welchem Anteil (§ 2353 BGB). Wer im Erbschein als Erbe ausgewiesen ist, gilt im Rechtsverkehr als Erbe: Dritte dürfen sich auf seinen Inhalt verlassen.

Wann wird er benötigt?

Ein Erbschein ist vor allem erforderlich, wenn

  • kein Testament existiert und die gesetzliche Erbfolge gilt,
  • nur ein handschriftliches Testament vorliegt und Banken oder das Grundbuchamt einen Nachweis verlangen,
  • die Erbfolge unklar oder streitig ist.

Gibt es dagegen ein notarielles Testament oder einen Erbvertrag, genügt in der Regel dessen beglaubigte Abschrift zusammen mit dem Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts — auch für die Grundbuchberichtigung (§ 35 GBO).

Gut zu wissen: Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Banken nicht in ihren AGB pauschal einen Erbschein verlangen dürfen. Kann das Erbrecht anders eindeutig nachgewiesen werden, etwa durch ein eröffnetes eigenhändiges Testament, muss die Bank dies prüfen.

So beantragen Sie den Erbschein

  1. Zuständiges Gericht: das Nachlassgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthalt des Verstorbenen.
  2. Unterlagen: Sterbeurkunde, Personenstandsurkunden zum Nachweis der Verwandtschaft (etwa Geburts- und Heiratsurkunden), gegebenenfalls Testament.
  3. Angaben: unter anderem Zeitpunkt des Todes, Verhältnis zum Erblasser, weitere mögliche Erben, Güterstand (§ 352 FamFG).
  4. Eidesstattliche Versicherung: Die Richtigkeit der Angaben ist vor Gericht oder einem Notar an Eides statt zu versichern.

Was kostet ein Erbschein?

Gerichts- und Notargebühren richten sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz und dem Wert des Nachlasses nach Abzug der Erblasserschulden. Bei größeren Nachlässen kann ein notarielles Testament deshalb schon aus Kostengründen sinnvoll sein.

Alternativen bei kleinen Nachlässen

Bei geringen Guthaben verzichten Banken teilweise auf einen Erbschein, wenn eine Bankvollmacht über den Tod hinaus oder eine Kombination aus Testament und Eröffnungsprotokoll vorliegt. Fragen Sie vor dem Antrag nach, welche Nachweise konkret verlangt werden.

Häufige Fragen

Wo beantrage ich den Erbschein?

Beim Nachlassgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthalt des Verstorbenen oder bei einem Notar, der den Antrag weiterleitet.

Wie lange dauert die Erteilung?

Bei klarer Erbfolge oft einige Wochen; bei Unklarheiten, Auslandsbezug oder Streit unter den Erben deutlich länger.

Rechtsgrundlagen & Quellen

  1. § 2353 BGB — Zuständigkeit des Nachlassgerichts, Antrag
  2. § 352 FamFG — Angaben im Antrag; Nachweis der Richtigkeit
  3. § 35 GBO — Nachweis der Erbfolge
  4. BGH, Urteil v. 8.10.2013 – XI ZR 401/12 (kein Erbscheinzwang durch Banken-AGB)

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick über die Rechtslage (Stand: Oktober 2026) und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für eine verbindliche Einschätzung Ihrer Situation wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

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