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Gesetzliche Erbfolge: Wer erbt, wenn es kein Testament gibt?

Ohne Testament bestimmt das Gesetz die Erben — nach Ordnungen und mit einem besonderen Erbrecht des Ehegatten. Ein Überblick mit Rechenbeispielen.

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Rechtsstand: Oktober 2026Fachlich geprüft von Rechtsanwalt Dr. Michael Weber(Fachanwalt für Familienrecht)
Großeltern mit Kindern und Enkeln
Bild: Mikhail Nilov / Pexels
Inhaltsverzeichnis

Die meisten Menschen in Deutschland hinterlassen kein Testament. Dann entscheidet das Gesetz, wer erbt. Die Regeln folgen einer klaren Systematik.

Das System der Ordnungen

Verwandte werden in Ordnungen eingeteilt. Solange ein Verwandter einer vorrangigen Ordnung lebt, erben Verwandte nachfolgender Ordnungen nichts (§ 1930 BGB).

Ordnung Wer gehört dazu?
1. Ordnung Kinder, Enkel, Urenkel (§ 1924 BGB)
2. Ordnung Eltern und deren Abkömmlinge, also Geschwister, Nichten, Neffen (§ 1925 BGB)
3. Ordnung Großeltern und deren Abkömmlinge, also Onkel, Tanten, Cousins (§ 1926 BGB)

Innerhalb der ersten Ordnung erben Kinder zu gleichen Teilen. Ist ein Kind vorverstorben, treten dessen Kinder an seine Stelle (Erbfolge nach Stämmen).

Das Erbrecht des Ehegatten

Der Ehegatte ist kein Verwandter, hat aber ein eigenes gesetzliches Erbrecht (§ 1931 BGB):

  • neben Erben der ersten Ordnung: ein Viertel,
  • neben Erben der zweiten Ordnung oder neben Großeltern: die Hälfte,
  • sind weder Verwandte der ersten oder zweiten Ordnung noch Großeltern vorhanden: alles.

Lebten die Eheleute im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, erhöht sich der Erbteil pauschal um ein weiteres Viertel (§ 1371 BGB) — unabhängig davon, ob tatsächlich ein Zugewinn erzielt wurde.

Rechenbeispiele

Beispiel 1: Erblasser hinterlässt Ehefrau (Zugewinngemeinschaft) und zwei Kinder. Die Ehefrau erbt 1/4 + 1/4 = 1/2, jedes Kind 1/4.

Beispiel 2: Erblasserin hinterlässt Ehemann (Zugewinngemeinschaft), keine Kinder, aber ihre Eltern. Der Ehemann erbt 1/2 + 1/4 = 3/4, die Eltern zusammen 1/4.

Beispiel 3: Unverheirateter Erblasser ohne Kinder; die Mutter lebt, der Vater ist verstorben und hinterlässt eine Schwester des Erblassers. Die Mutter erbt 1/2, die Schwester tritt an die Stelle des Vaters und erbt 1/2.

Wichtig: Unverheiratete Lebenspartner, Stiefkinder und Freunde erben ohne Testament nichts. Wer sie bedenken möchte, muss ein Testament oder einen Erbvertrag errichten.

Die Erbengemeinschaft

Gibt es mehrere Erben, bilden sie eine Erbengemeinschaft. Über den Nachlass können sie nur gemeinsam verfügen. Das führt in der Praxis häufig zu Konflikten — ein weiterer Grund, die Nachfolge durch Testament zu regeln.

Häufige Fragen

Erben Stiefkinder?

Nein, ohne Testament oder Adoption haben Stiefkinder kein gesetzliches Erbrecht nach dem Stiefelternteil.

Was passiert, wenn es gar keine Verwandten gibt?

Dann erbt der Staat, in der Regel das Bundesland, in dem der Erblasser zuletzt lebte (§ 1936 BGB).

Rechtsgrundlagen & Quellen

  1. § 1924 BGB — Gesetzliche Erben erster Ordnung
  2. § 1925 BGB — Gesetzliche Erben zweiter Ordnung
  3. § 1930 BGB — Rangfolge der Ordnungen
  4. § 1931 BGB — Gesetzliches Erbrecht des Ehegatten
  5. § 1371 BGB — Zugewinnausgleich im Todesfall

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick über die Rechtslage (Stand: Oktober 2026) und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für eine verbindliche Einschätzung Ihrer Situation wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

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