Krank im Job: Entgeltfortzahlung, Krankmeldung und Krankengeld
Sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber das Gehalt weiter, danach springt die Krankenkasse ein. Welche Pflichten Arbeitnehmer bei Krankheit haben und was die eAU geändert hat.
Redaktion
- Veröffentlicht
- Aktualisiert
- Lesezeit
- 2 Min. Lesezeit

Inhaltsverzeichnis
Krankheit gehört zum Leben — und das Arbeitsrecht sorgt dafür, dass sie nicht sofort zur finanziellen Belastung wird. Gleichzeitig haben Arbeitnehmer Pflichten, deren Verletzung Folgen haben kann.
Sechs Wochen Entgeltfortzahlung
Wer infolge Krankheit arbeitsunfähig ist, ohne dass ihn ein Verschulden trifft, erhält vom Arbeitgeber das Gehalt für bis zu sechs Wochen weiter (§ 3 EFZG). Der Anspruch entsteht nach vier Wochen ununterbrochener Dauer des Arbeitsverhältnisses.
Bei einer erneuten Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krankheit entsteht ein neuer Sechs-Wochen-Anspruch nur, wenn zwischen den Erkrankungen mindestens sechs Monate lagen oder seit Beginn der ersten Erkrankung zwölf Monate vergangen sind. Bei einer anderen Krankheit beginnt die Frist neu.
Ihre Pflichten bei Krankheit
- Krankmeldung: Teilen Sie dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und ihre voraussichtliche Dauer unverzüglich mit — in der Regel am ersten Tag vor Arbeitsbeginn (§ 5 EFZG).
- Ärztliche Feststellung: Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, muss sie spätestens am darauffolgenden Arbeitstag ärztlich festgestellt sein. Der Arbeitgeber kann das auch früher verlangen.
- Elektronische AU: Seit 2023 ruft der Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gesetzlich Versicherter elektronisch bei der Krankenkasse ab. Privatversicherte müssen die Bescheinigung weiterhin selbst vorlegen.
Wichtig: Genesungswidriges Verhalten — etwa schwere körperliche Arbeit im Nebenjob während einer Krankschreibung wegen Rückenleiden — kann eine Abmahnung oder Kündigung rechtfertigen. Spaziergänge oder Einkäufe sind dagegen in der Regel unproblematisch.
Krankengeld ab der siebten Woche
Nach Ablauf der Entgeltfortzahlung zahlt die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld (§ 44 SGB V). Es beträgt 70 % des regelmäßigen Bruttoentgelts, höchstens jedoch 90 % des Nettoentgelts (§ 47 SGB V), und wird wegen derselben Krankheit für höchstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren gezahlt. Davon werden Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung abgezogen.
Achten Sie auf eine lückenlose ärztliche Feststellung der Arbeitsunfähigkeit — Lücken können den Krankengeldanspruch gefährden.
Zweifel des Arbeitgebers
Der Beweiswert einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist hoch, kann aber erschüttert werden, etwa wenn die Krankschreibung passgenau die Restlaufzeit nach einer Kündigung abdeckt. Dann muss der Arbeitnehmer die Erkrankung konkret darlegen.
Häufige Fragen
Ab wann brauche ich ein Attest?
Spätestens ab dem vierten Kalendertag der Arbeitsunfähigkeit; der Arbeitgeber darf es auch früher verlangen (§ 5 EFZG). Gesetzlich Versicherte müssen die Bescheinigung nicht mehr selbst einreichen, sondern sich lediglich ärztlich feststellen lassen.
Darf mir wegen Krankheit gekündigt werden?
Eine Kündigung während der Krankheit ist nicht verboten. Eine krankheitsbedingte Kündigung muss im Anwendungsbereich des KSchG aber strengen Anforderungen genügen, unter anderem einer negativen Gesundheitsprognose.
Rechtsgrundlagen & Quellen
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick über die Rechtslage (Stand: Oktober 2026) und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für eine verbindliche Einschätzung Ihrer Situation wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.
Über die Redaktion
Frageanwalt Redaktion
Redaktion
Die Frageanwalt-Redaktion bereitet Rechtsthemen verständlich auf. Jeder Beitrag wird vor Veröffentlichung von einer verifizierten Rechtsanwältin oder einem verifizierten Rechtsanwalt fachlich geprüft.
Weiterlesen
Das könnte Sie auch interessieren

Leitfäden · Arbeitsrecht
Kündigungsschutz für Arbeitnehmer: Fristen, Gründe und Ihre Rechte
Wann gilt das Kündigungsschutzgesetz, welche Kündigungsfristen sind einzuhalten und warum die Drei-Wochen-Frist so wichtig ist: ein Überblick über den Kündigungsschutz in Deutschland.
Rechtsanwältin Anna Schmidt· 24. Oktober 2026· 3 Min.

Anwalt & Kosten · Familienrecht
Erstberatung beim Anwalt: Was darf sie kosten?
Für Verbraucher ist die Gebühr für ein erstes Beratungsgespräch gesetzlich gedeckelt: höchstens 190 Euro zuzüglich Umsatzsteuer. Was das konkret bedeutet und wer die Kosten übernimmt.
Frageanwalt Redaktion· 4. Oktober 2026· 2 Min.

Anwalt & Kosten · Familienrecht
Fachanwalt: Was der Titel bedeutet und wann er für Sie wichtig ist
Fachanwälte müssen besondere theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrung nachweisen und sich jährlich fortbilden. Was hinter dem Titel steckt — und worauf Sie bei der Anwaltswahl achten sollten.
Frageanwalt Redaktion· 27. September 2026· 2 Min.
Fragen aus der Community zu Arbeitsrecht
Ratgeber-Newsletter
Neue Urteile und Gesetzesänderungen — einmal im Monat.
Die wichtigsten Entwicklungen aus Rechtsprechung und Gesetzgebung, verständlich zusammengefasst von unserer Redaktion und verifizierten Fachanwälten. Kostenlos, ohne Werbung.