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Urlaubsanspruch: Wie viel Urlaub Ihnen zusteht und wann er verfällt

Mindestens 20 Urlaubstage bei einer Fünftagewoche — und verfallen dürfen sie nur, wenn der Arbeitgeber rechtzeitig darauf hingewiesen hat. Die wichtigsten Regeln zum Urlaubsrecht.

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Rechtsstand: Oktober 2026Fachlich geprüft von Rechtsanwältin Anna Schmidt(Fachanwältin für Arbeitsrecht)
Koffer und Sonnenhut am Strand
Bild: Kampus Production / Pexels
Inhaltsverzeichnis

Das Bundesurlaubsgesetz garantiert jedem Arbeitnehmer einen bezahlten Mindesturlaub. Durch die Rechtsprechung von EuGH und Bundesarbeitsgericht haben sich die Regeln zum Verfall in den letzten Jahren deutlich zugunsten der Beschäftigten verändert.

Wie viel Urlaub steht mir zu?

Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt 24 Werktage (§ 3 BUrlG). Da das Gesetz von einer Sechstagewoche ausgeht, entspricht das bei einer Fünftagewoche 20 Arbeitstagen. Arbeits- oder Tarifverträge sehen oft mehr Urlaub vor. Schwerbehinderte Menschen erhalten zusätzlich fünf Arbeitstage Zusatzurlaub.

Den vollen Anspruch erwirbt man erstmals nach sechs Monaten Beschäftigung. Davor besteht ein anteiliger Anspruch von einem Zwölftel pro vollem Monat.

Wann verfällt Urlaub?

Grundsätzlich muss der Urlaub im laufenden Kalenderjahr genommen werden. Eine Übertragung bis zum 31. März des Folgejahres ist nur bei dringenden betrieblichen oder persönlichen Gründen vorgesehen (§ 7 Abs. 3 BUrlG).

Seit der Entscheidung des EuGH (2018) und des BAG (2019) gilt jedoch: Urlaub verfällt nur, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer

  1. konkret und rechtzeitig aufgefordert hat, den Urlaub zu nehmen, und
  2. klar darauf hingewiesen hat, dass der Urlaub andernfalls verfällt.

Unterlässt der Arbeitgeber diesen Hinweis, bleibt der Anspruch bestehen und wird ins nächste Jahr übertragen.

Gut zu wissen: Auch die Verjährung beginnt nach der Rechtsprechung erst zu laufen, wenn der Arbeitgeber seiner Hinweisobliegenheit nachgekommen ist.

Krank im Urlaub

Wer während des Urlaubs arbeitsunfähig erkrankt, bekommt die durch ärztliches Zeugnis nachgewiesenen Krankheitstage nicht auf den Jahresurlaub angerechnet (§ 9 BUrlG). Wichtig: Melden Sie die Erkrankung sofort und lassen Sie sie ärztlich bescheinigen. Bei Langzeiterkrankung verfällt der Urlaub regelmäßig spätestens 15 Monate nach Ende des Urlaubsjahres.

Urlaubsabgeltung bei Ende des Arbeitsverhältnisses

Kann Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr genommen werden, ist er abzugelten (§ 7 Abs. 4 BUrlG). Der Anspruch geht nach der Rechtsprechung sogar auf die Erben über, wenn der Arbeitnehmer verstirbt. Achten Sie in Aufhebungsverträgen darauf, dass offene Urlaubstage ausdrücklich geregelt sind.

Häufige Fragen

Darf mein Arbeitgeber meinen Urlaubsantrag ablehnen?

Nur aus dringenden betrieblichen Gründen oder wegen vorrangiger Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die sozial schutzwürdiger sind (§ 7 Abs. 1 BUrlG).

Was gilt bei Teilzeit?

Der Urlaubsanspruch wird auf die Zahl der Arbeitstage pro Woche umgerechnet. Wer zum Beispiel an drei Tagen arbeitet, hat mindestens zwölf Urlaubstage.

Rechtsgrundlagen & Quellen

  1. § 3 BUrlG — Dauer des Urlaubs
  2. § 7 BUrlG — Zeitpunkt, Übertragbarkeit und Abgeltung
  3. § 9 BUrlG — Erkrankung während des Urlaubs
  4. BAG, Urteil v. 19.2.2019 – 9 AZR 423/16 (Mitwirkungsobliegenheit des Arbeitgebers)
  5. EuGH, Urteil v. 6.11.2018 – C-684/16 (Max-Planck-Gesellschaft)

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick über die Rechtslage (Stand: Oktober 2026) und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für eine verbindliche Einschätzung Ihrer Situation wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

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